Ein handgeschriebenes Tage- und Kochbuch aus dem Jahr 1916 ist mehr als nur ein altes Notizheft. Es ist ein authentisches Zeitdokument aus dem Ersten Weltkrieg. Solche Funde erzählen vom Alltag der Menschen in einer schweren Zeit. Sie zeigen, wie Familien mit Lebensmittelknappheit umgingen. Sie dokumentieren Preise, Rezepte und persönliche Gedanken. Genau solche Stücke machen für mich als Schatzsucher den besonderen Reiz historischer Funde aus.
Das hier vorgestellte Heft beginnt mit dem Eintrag:
„Berlin den 17. Januar 1916“.
Weitere Seiten tragen das Datum 21. Januar 1916. Das bedeutet: Dieses Buch entstand mitten im Ersten Weltkrieg. Deutschland befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits im dritten Kriegsjahr. Die Versorgungslage war angespannt. Lebensmittel wurden rationiert. Ersatzprodukte bestimmten den Speiseplan.
Das Heft enthält klassische Kochrezepte. Genannt werden unter anderem Kartoffeln, Kohl, Speck, Margarine und Graupen. Zusätzlich finden sich Preisaufstellungen. Die Kosten sind in Mark und Pfennig notiert. Das zeigt, wie genau Haushalte damals kalkulieren mussten.
Neben Rezepten enthält das Buch auch Kriegsgedichte. Eines trägt den Titel „Wo mag er ruhen?“. Es behandelt das Schicksal eines gefallenen Soldaten. Solche Texte spiegeln die Unsicherheit und Sorge der damaligen Zeit wider.
Für Sammler historischer Dokumente sind solche Hefte besonders interessant. Sie verbinden Alltagsgeschichte mit emotionalen Einblicken. Gleichzeitig sind sie über 100 Jahre alt.
Alltag im Ersten Weltkrieg – dokumentiert im Kochbuch
1916 war ein schwieriges Jahr. Der sogenannte „Steckrübenwinter“ stand bevor. Die britische Seeblockade führte zu massiven Versorgungsproblemen. Viele Grundnahrungsmittel waren knapp. Laut Bundeszentrale für politische Bildung verschlechterte sich die Ernährungslage der Zivilbevölkerung deutlich.
Das Kochbuch zeigt genau diese Situation. Die Rezepte sind einfach. Sie bestehen aus wenigen Zutaten. Fleisch wird sparsam verwendet. Margarine ersetzt Butter. Graupen und Kohl liefern Sättigung. Kartoffeln bilden die Grundlage vieler Gerichte.
Solche „Kriegsrezepte“ wurden damals gezielt verbreitet. Das Deutsche Reich versuchte, mit Ersatzprodukten die Versorgung aufrechtzuerhalten. Laut Deutschem Historischen Museum entstanden zahlreiche Kochbücher speziell für die Kriegsjahre.
Interessant sind auch die Preisnotizen im Heft. Sie dokumentieren die wirtschaftliche Lage. Inflation und steigende Lebensmittelpreise belasteten die Bevölkerung zunehmend. Historische Preislisten aus der Zeit bestätigen diese Entwicklung.
Für uns Schatzsucher ist so ein Dokument deshalb wertvoll, weil es Geschichte greifbar macht. Man hält nicht nur Papier in der Hand. Man hält ein Stück Alltag von 1916.
Warum solche Funde für Schatzsucher besonders sind
Viele denken bei Schatzsuche nur an Münzen oder Militaria. Doch historische Dokumente sind genauso spannend. Sie erzählen Geschichten. Sie zeigen Zusammenhänge. Und sie helfen, Fundorte zeitlich einzuordnen.
Ein handgeschriebenes Tagebuch liefert:
- Datumsangaben
- Ortsangaben
- Preisentwicklungen
- persönliche Gedanken
- kulturelle Einblicke
Gerade im Zusammenhang mit Sondelgängen können solche Informationen hilfreich sein. Wenn man beispielsweise in der Nähe alter Wohngebäude oder Höfe sucht, helfen schriftliche Quellen bei der Einordnung.
Wichtig ist jedoch: Dokumente aus dem Boden sind meist stark beschädigt. Feuchtigkeit zerstört Papier schnell. In diesem Fall handelt es sich nicht um einen Bodenfund, sondern um ein erhaltenes Familien- oder Haushaltsbuch. Der Zustand ist altersgerecht, aber stabil.
Für Sammler von Militaria ist das Heft interessant. Allerdings zählt es nicht zur klassischen Ausrüstung eines Soldaten. Es dokumentiert vielmehr das Leben an der Heimatfront. Genau das macht es besonders.

Historische Einordnung und Sammlerwert
Private Koch- und Haushaltsbücher aus der Kaiserzeit sind keine Massenware. Dennoch sind sie auch keine extrem seltenen Einzelstücke. Der Wert hängt stark vom Zustand und vom Inhalt ab.
Entscheidend sind:
- klare Datierung
- gute Lesbarkeit
- vollständige Seiten
- Kriegsbezug
- regionale Zuordnung
Ein datiertes Dokument von 1916 mit Berlin-Bezug besitzt historischen Reiz. Wenn zusätzlich Gedichte oder persönliche Einträge enthalten sind, steigt die Attraktivität für Sammler.
Realistisch betrachtet liegen vergleichbare Stücke meist im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich. Antiquariate und Auktionsplattformen zeigen ähnliche Preisspannen. Besonders relevant ist der Zustand.
Wichtig für Schatzsucher: Keine Restaurierungsversuche. Keine chemische Reinigung. Alte Dokumente sollten trocken, lichtgeschützt und flach gelagert werden.
Schriftart: Deutsche Kurrentschrift
Das Tagebuch ist in deutscher Kurrentschrift verfasst. Diese Schrift war im Kaiserreich üblich. Sie unterscheidet sich deutlich von heutiger Schreibschrift.
Kurrent wurde bis in die 1920er Jahre verwendet. Erst später setzte sich Sütterlin durch. Für viele heutige Leser ist diese Schrift schwer entzifferbar. Dennoch lassen sich mit Übung viele Texte übertragen.
Gerade für Schatzsucher ist es hilfreich, Grundkenntnisse alter Schriften zu besitzen. Alte Briefe, Feldpostkarten oder Notizbücher tauchen immer wieder auf.
Bedeutung für die Geschichtsforschung
Solche privaten Dokumente ergänzen offizielle Quellen. Militärarchive dokumentieren Schlachten. Regierungsakten dokumentieren Politik. Doch private Kochbücher zeigen den Alltag.
Laut Deutschem Historischen Institut sind Alltagsquellen entscheidend für das Verständnis gesellschaftlicher Entwicklungen.
Das hier vorgestellte Heft dokumentiert:
- Ernährung im Krieg
- Preisentwicklung
- emotionale Verarbeitung durch Lyrik
- Struktur bürgerlicher Haushalte
Damit ist es ein kleines, aber authentisches Zeitfenster ins Jahr 1916.

Fazit aus Sicht eines Schatzsuchers
Nicht jeder Schatz besteht aus Gold oder Silber. Manche Schätze sind Papier. Manche Schätze sind Worte. Und manche erzählen mehr über eine Epoche als jede Münze.
Ein handgeschriebenes Koch- und Tagebuch von 1916 ist ein echtes Stück Zeitgeschichte. Es verbindet Alltagskultur mit Kriegsrealität. Es zeigt die Sorgen und Anpassungen der Bevölkerung während des Ersten Weltkriegs.
Für Sammler historischer Dokumente ist es ein interessantes Objekt. Für Geschichtsinteressierte ein lesenswertes Zeugnis. Und für uns Schatzsucher ein weiterer Beweis, dass Geschichte überall verborgen liegt – manchmal nicht im Boden, sondern in alten Schubladen.
Weiterführende Links
- Paul Strasen: Vom Angestellten zum Soldat im 1.Weltkrieg
- Thermometer 1914-1916 Erinnerungsstück aus dem 1. Weltkrieg
- Patriotika-Abzeichen der Kavallerie im Ersten Weltkrieg
- Das Eiserne Kreuz 1914: Geschichte, Bedeutung & Sammlerwert
- Bodenfunde & Münzen aus dem Deutschen Reich
Quellen
- Bundeszentrale für politische Bildung – Erster Weltkrieg https://www.bpb.de
- Deutsches Historisches Museum https://www.dhm.de
- Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Historische Preise https://www.statistik-bw.de
- Deutsches Historisches Institut https://www.dhi-roma.it
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